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Vier Ebenen von Berührung

Menschen können sich durch eine Begegnung mit ihren Körpern und in einem tiefen Gespräch mit Worten berühren. In beiden Berührungsarten kannst du vier Ebenen erfahren. Im Folgenden erläutere ich unter 
1. die vier Ebenen der körperlichen Berührung und unter 
2. die vier Ebenen der verbalen Berührung - des Gesprächs.

 

1. Die vier Ebenen der körperlich-seelischen Berührung

Erste Ebene
Du fährst mit der Hand über den Körper von jemand anderem - die Hand nimmt ein "Reiben" war, evtl. auch nichts. Als aktive Person ist deine Aufmerksamkeit nicht bei der Berührung sondern bei etwas anderem, zum Beispiel beim Einkaufszettel oder bei dem, was noch entstehen könnte aus dieser Berühung oder beim Gespräch mit deiner Chefin usw. 

Zweite Ebene
Du erforscht die Oberfläche und Formen der anderen Person, die Hügel und Täler des Körper, die Rundungen, Ebenen und Ecken, du "siehst" dabei mit deinen Händen. Deine Vorstellung, dass deine Hände weich und "flüssig" werden, lässt sie die Formen und die zarten Unterschiede des Körpers wahrnehmen. Du findest Orte, wo deine Hand, dein Arm, deine Wange so gut hineinpassen, als wären eure beiden Körper genau dafür gemacht.

Dritte Ebene
Du lässt die Berührung und den Kontakt tiefer sinken. So tief, dass das Gefühl entsteht, dass du dein Gegenüber "unter der Haut" berührst.
Um dorthin zu gelangen, hilft es, zuerst die zweite Ebene wahrzunehmen. Dann hältst du inne, lässt deine Hand entspannt liegen. Du spürst die Wärme, die entsteht am Ort der Berührung. Du spürst, wie die Moleküle deiner Hand und des berührten Körperteils miteinander in Schwingung gehen. Du gehst dem Gefühl weiter nach, dass deine Hand in den anderen Menschen hineinsinkt (oder wenn du berührt wirst, wie die berührende Hand in deinen Körper sinkt). Wenn du abglenkt wirst durch Gedanken oder Geräusche, dann nimm auch das wahr und kehre ohne zu werten wieder zurück zum Ort des Kontakts, zum Ort der Berührung. Vielleicht merkst du, wie die Verbindung zwischen euch stärker wird. Mit diesem Gefühl von Nähe und Verbundenheit gehst du langsam in ein Streicheln – so langsam, dass der Kontakt bestehen bleibt, dass du die Wärme, das „Eingesunkene“ mitnimmst in dein Streicheln. Wenn du es verlierst, dann halte inne, nimm die Wärme wahr und die Verbindung. Warte, bis aus dir der Impuls kommt, wieder in die Bewegung, ins aktive Streicheln zu gehen. Beobachte deine Gefühle.

Vierte Ebene
Du tauchst noch tiefer in die Verbindung ein, indem du dein Herz öffnest. So kannst du das ganze Wesen deines Gegenübers wahrnehmen und berühren. 
Dafür legst eine Hand auf dein eigenes Herz. Verbinde dich mit deinem Herzen, indem du mit deiner Hand deinem eigenen Herzschlag „zuhörst“, bzw. deinen Herzschlag spürst oder dir vorstellst, dass du in dein Herz "hineinatmest". Mit deiner anderen Hand berührst du dein Gegenüber und fühlst dich zuerst in die zweite, dann in die dritte Ebene hinein. Dann lässt du deine Herzenergie durch deinen Arm in deine Hand fliessen und zu dem Menschen, den du berührst. Auch dabei kann dich dein Atem unterstützen, indem du dir vorstellst, dass du den Atem von deinem Herzen durch deinen Arm zu deinem Gegenüber fliessen lässt. Wenn du passiv berührst, lässt du "durch deinen Atem" deine Herzenergie von deinem Herzen zur Hand der Person fliessen, die dich berührt.
Ihr spürt beide der feinen Energie nach, die über den Herzkontakt entsteht und euch emotional noch tiefer verbindet. Nehmt wahr, was dabei im Körper passiert – es können allerlei Gefühle auftauchen, wenn du dich mit dem Herzen von jemand anderen verbindest. Von Trauer über Sehnsucht bis hin zu wärmenden Glücksgefühlen ist alles möglich. Mit dieser feinen Energie und Verbundenheit gehst du in ein sanftes Streicheln, in eine sanfte, tief nährende Berührung.

2. Die vier Ebenen der verbal-seelischen Berührung

Erste Ebene
Small talken

Zweite Ebene
Du erzählst von jemand anderem - was ihr oder ihm passiert ist, gemacht hat usw. 

Dritte Ebene
Du erzählst etwas über dich - etwas das dich gerade bewegt im Leben. Dabei geht es nicht so sehr darum, Fakten zu erzählen oder was andere damit zu tun haben, sondern darum, wie es dir dabei geht, welche Gefühle/Emotionen das Erlebte bei dir ausgelöst hat oder auslöst.

Vierte Ebene
Du greifst etwas auf, was dich gerade bewegt/berührt und mit deinem momentanen Gegenüber zu tun hat:
Vielleicht hat er oder sie gerade etwas ausgelöst: Ärger, Liebe, Unverständnis, Berührtheit... Wenn du teilst, was das ist, dann rede nicht in der Du-Form (du hast..., du bist...), sondern in der Ich-Form (ich bin gerade sehr traurig geworden,weil...; ich fühle mich nicht gesehen, wenn..., es berührt ich tief, weil, ... ich bin verwirrt, dass...). Damit gibst du deinem Gegenüber den Raum, auch zu erzählen, wie es ihm oder ihr auf der Gefühlsebene geht. So geratet ihr nicht in ein Ping-Pong-Gespräch, in dem es um Rechthaben oder Vorwürfe geht, sondern in ein Hören und Verstehen.

Solche intimen Gespräche, die aus dem Moment entstehen, können sehr heilsam, verbindend und sogar aphrodisisch wirken.