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Aufstellung inneres Team


Dein Leben aus den Ressourcen leben

Wunderst du dich manchmal auch, warum es mit den einen Menschen so einfach ist und mit den anderen so schwierig? Oder warum ein Mensch so grossartig ist, wenn man ihn/sie kennenlernt und dann plötzlich nur noch nervt? Oder warum Sexualität mit dem selben Menschen nach einer Weile nicht mehr so weltbewegend ist wie am Anfang?

Nun, eine allgemeine Lösung zu all diesen Themen habe ich nicht. Jedoch lohnt es sich, da mal genauer hinzuschauen, beziehungsweise herauszufinden, wer denn da alles so beteiligt ist. Dafür lohnt sich ein Blick nach Innen, zu deinen verschiedenen Persönlichkeitsanteilen. In der Gestalttherpie werden diese auch innere Gestalten genannt. So werde auch ich sie im Weiteren nennen.

Die inneren Gestalten

Diese haben sich geformt während deinem Leben: angefangen in der frühen Kindheit in der Familie, dann in der Schule, der Kirche, der Arbeit, in Freundschaften, sexuellen Begegnungen... aber auch durch Bücher, Reisen und andere Erlebnisse.

Wir alle haben Gestalten, die uns vorwärtsbringen oder antreiben: wie z.B. die Neugierige, der Forschende, die Unterstützende, der Loyale. Genauso haben wir Anteile oder Gestalten, die uns verhindern oder vorsichtig machen: wie z.B. der Kritiker, die Ängstliche, der Erstarrte, die Verurteilende. Und dazwischen gibt es noch viele mehr. Wichtig zu wissen ist, dass Alle ihre Wichtigkeit haben, sie manchmal einfach am falschen Platz sind. 

Je nach Situation werden die einen oder die anderen Gestalten aktiv

Erinnert dich zum Beispiel eine Situation in der Gegenwart an eine unangenehme Situation in der Vergangenheit, so reagiert dein System unbewusst mit Vorsicht, oder Stress, oder sogar mit Angst oder Abwehr. Das heisst, in dir sind jene Gestalten aktiv, die dich beschützen, die kämpfen oder dich innerlich erstarren lassen. Die, die gerne verhandeln oder mehr lernen möchten haben kommen da nicht zu Wort.

Verliebtheitsgefühle sind darum so wunderbar, bzw. machen dein Gegenüber, dich selber und den Sex so wunderbar, weil der Teil des Gehirns, der kritisch hinschaut, analysiert oder plant sozusagen ausgeschaltet ist. Etwa so, als hättest du Kokain geschnieft. Alles ist also toll, du fühlst dich geliebt, grossartig, es gibt keine Grenzen, keine Schwierigkeiten, alles ist möglich. Der Raum ist offen für die Gestalten der Exstase, des Geniessens, der Hingabe, der Freude usw.

Wenn du jedoch aufwachst aus dem Rausch, werden dein innerer (Selbst-) Kritiker, deine Scham, die Hinterfragende, der Gelangweilte usw. plötzlich wieder wach. Und sie fangen an, die Euphorie und den Lustvollen anzugreifen, zu stoppen, zu hinterfragen, zu verlangsamen und dich wieder mehr auf den Boden der Realität zu bringen.

Ja, da ist ganz schön viel los bei diesen inneren Gestalten. Manchmal merkst du, wie du in schwierigen Situationen sehr müde wirst. Das hat oft damit zu tun, dass du viel innere Arbeit leistest, die du nur am Rand oder gar nicht mitbekommst. Die da innen machen das selber untereinander aus.

Innere Teambildung

Für jede neue Situation bilden sich sozusagen neue Teams. Die einen Mitglieder kommen dazu, andere verschwinden, wieder andere haben gar keine Chance dabei zu sein.

Diese Teams arbeiten unterschiedlich zusammen. Sie sind jedoch immer darauf bedacht, für dein Wohlbefinden zu arbeiten. Auch wenn es für dich manchmal nicht so aussieht und du lieber auf deinen Kritiker verzichten möchtest, der dir schon wieder eine Chance vermasselt hat. Auch er ist dir im Grunde genommen wohlgesinnt (mehr siehe bei "Kraft der beschützenden Gestalten").

Es gibt Teams, die grossartig funktionieren und bei denen du das Wohlwollen der Einzelnen und das tolle Zusammenspiel förmlich geniessen kannst: Zum Beispiel wenn du bei deiner Chefin eine neue Idee einbringst und du dich auf deine innere Gestalt der Klarheit, Überzeugungskraft und Begeisterung verlassen kannst und der Kritiker seines dazu beiträgt, in dem er dir hilft, auch die möglichen Stolpersteine in deine Idee einzubeziehen.

Die Kraft der beschützenden Gestalten

Da jedoch die Gestalten zum Teil schon SEHR lange in dir aktiv sind und niemand sie auf den neuesten Stand gebracht hat, denken die noch immer, du seist ein kleines Kind oder ein Teenager.

Das gilt vor allem für die Gestalten, die in Zeiten entstanden sind, in denen du Schutz gebraucht hast. Diese wissen nicht, dass du diese Art von Schutz nicht mehr benötigst, den du als Kind benötigt hast. Da es jedoch damals darum gegangen ist, dass du überlebst, sind diese Gestalten sehr stark und erkämpfen sich meistens die Oberhand im Team.

Sie wissen nicht, dass du als erwachsene Person zu etwas anderem fähig bist, dass du neue Ressourcen, neue Gestalten hast, mit denen du dich schützen kannst. Es ist wichtig, dass sie das erfahren und dass es für sie glaubhaft ist, ansonsten weichen sie in den genannten Situationen nicht von deiner Seite und lassen keine andere Gestalt mitreden.

Innere Bilder sichtbar machen

Durch die Aufstellung lassen sich solche Teams und Gestalten als innere Bilder sichtbar machen. Ihre Handlungen sowie ihre Beziehungen untereinander werden nicht nur sichtbar sondern leibhaftig erfahrbar - und damit auch die Gefühle, die damit einhergehen. Du hörst, was sie sagen, was sie zueinander sagen, was sie von einander halten, wie sie sich aufeinander beziehen.

In einer Aufstellung erhalten die inneren Gestalten die Gelegenheit, mehr gegenwartsbezogen zu reagieren, anstatt sich von alten festgesessenen Strukturen leiten zu lassen, die nicht mehr adäquat sind.

Aus den erwachsenen Ressourcen heraus leben

Durch das förmliche Erleben und die Veränderung im Team lernst du, Vorgänge in der aktuellen Gegenwart zu interpretieren und dich nicht mehr durch Vergangenes hindern zu lassen. Du lernst, zu unterscheiden, ob eine Situation wirklich gefährlich ist und du dich schützen musst oder ob du unbewusst in eine alte Situation gezogen wirst, in der du auf starken Schutz angewiesen warst. Oft reagiert dann das innere, verletzte Kind und nicht der oder die Erwachsene, die du jetzt bist. Als erwachsene Person erkennst du in der Aufstellung deine verschiedenen Ressourcen und findest ein passendes Verhalten.

Wie kann ich mir eine Aufstellung praktisch vorstellen

Wenn du der Aufsteller oder die Aufstellerin bist, schilderst du kurz das Thema / das Problem, das dich interessiert. (Du kannst dein Team auch ohne konkretes Thema aufstellen.) Danach wählst du aus den Teilnehmenden jeweils eine Person (Stellvertreter*in) für einen spezifischen Persönlichkeitsanteil / eine innere Gestalt aus und stellst sie in den Raum. Die nächste Gestalt stellst du zu der ersten dazu usw.
Wenn du fertig bist mit Aufstellen, frage ich die Stellvertretenden wie es ihnen geht, was sie von den anderen halten, ob sie jemandem etwas sagen oder sich bewegen wollen etc. Das Team verändert sich solange, bis es allen wohl ist oder sich sonst ein Ende abzeichnet.

Du beobachtest was passiert und lernst.

Kurs zum Thema: Dein inneres sexuelles Team